
Vier Theatertexte von Elfriede Jelinek aus fast vier Jahrzehnten, geschrieben zwischen 1988 und 2025. DIE ANKUNFT ist ein Theatermarathon zur rechten Zeit – hier, im Land der Berge, Land am Strome. Und jetzt, da in Europa auch die letzten Brandmauern zu bröckeln beginnen. 1945, die letzten Kriegstage: Auf Schloss Rechnitz im Burgenland wird ein rauschendes Fest gefeiert. Als Höhepunkt erschießen Gäste etwa 200 jüdische Zwangsarbeiter:innen. In den 2000ern zieht eine rechtsextreme Terrorzelle unbehelligt mordend durch Deutschland. In beiden Fällen verläuft die juristische Aufarbeitung schleppend, Zeug:innen schweigen, Beweise verschwinden. Und heute? Die politische Mitte verstummt, der Rechtsruck ist in vollem Gang, völkisches und radikales Denken werden wieder salonfähig – und beängstigende Kontinuitäten immer erkennbarer. Elfriede Jelinek destilliert sowohl Zeitgeschichte als auch unmittelbare Gegenwart zu großer Literatur. RECHNITZ (DER WÜRGEENGEL) ist ihr zentrales Werk über Nazi-Verbrechen und deren Erbe, in DAS SCHWEIGENDE MÄDCHEN setzt sie sich mit den Morden des NSU und den folgenden Gerichtsprozessen auseinander. Und in DAS LEBEWOHL – NEIN: DIE ANKUNFT steigert sie die siegesgewiss-tölpelhafte Rhetorik rechter Einpeitscher zum atemlosen Hymnus aus Machtergreifungsfantasien und faschistischer Naturlyrik. Jan Philipp Gloger, der sich seit vielen Jahren in Inszenierungen, darunter Ur- und Erstaufführungen, mit dem Werk der Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek auseinandersetzt, montiert vier ihrer Theaterstücke zu einem großen Denkgebäude aus Verdrängung und Wiederkehr. Ein Abend über die Traditionslinien nationalistischen Denkens und rechter Gewalt durch die Jahrhunderte – und ein Abend, der dem Irrsinn nachspürt sowie das Vergessen und Totschweigen beklagt. Als Prolog dient Jelineks Frühwerk WOLKEN.HEIM. Hier sprechen Hölderlin, Hegel und andere Klassiker bereits im Chor des nationalen Pathos – und bereiten so den Boden für die Zukunft. Team Regie - Jan Philipp Gloger Bühne - Marie Roth Kostüm - Franziska Bornkamm / Anna Lechner Musik - Kostia Rapoport Lichtdesign - Tobias Krauss Dramaturgie - Brigitte Angela Ostermann / Matthias Seier
Volkstheater
Arthur-Schnitzler-Platz 1
Quelle: Eventim
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