
Foto: Tiroler Festspiele Erl
Tiroler Festspiele Erl 2026/27: Ein Winter im Zeichen Verdis
Neue Traviata, Nabucco, Anna Bolena und die Festkonzerte zum Jahreswechsel im schwarzen Festspielhaus am Inn
Im Winter wird der Kontrast am deutlichsten. Vor verschneiter Kulisse steht in Erl das schwarze, kantige Festspielhaus von Delugan Meissl, daneben das weiße Passionsspielhaus aus dem Jahr 1959, dahinter die Berge über dem Inntal. Drinnen sitzen 732 Menschen auf einer steilen Tribüne vor einem Orchestergraben, der bei der Eröffnung der größte seiner Art weltweit war. Am 27. Dezember 2026 hebt sich hier der Vorhang für eine neue La traviata, inszeniert von Mariame Clément und dirigiert von Musikdirektor Asher Fisch, mit Julia Muzychenko als Violetta. Es ist der Mittelpunkt einer Wintersaison, die heuer früher beginnt als gewohnt: schon am 6. Dezember mit Bachs Weihnachtsoratorium, Mitte Dezember mit Verdis Nabucco. Bis zum Dreikönigstag folgen Donizettis Anna Bolena, ein Silvesterkonzert mit der Sopranistin Maria Agresta, das Neujahrskonzert und ein Abend der Musicbanda Franui. Wer Oper zwischen den Feiertagen sucht, ohne nach Wien oder München zu fahren, ist im Tiroler Unterland richtig.
Auf einen Blick
- Datum
- 6. Dezember 2026 bis 6. Jänner 2027
- Ort
- Festspielhaus Erl, Erl in Tirol
- Genre
- Oper, Belcanto, Orchesterkonzert
- Eintritt
- 10 Euro (Polsterkonzert) bis 170 Euro (La traviata, Kategorie I); Jahreswechselabo 135 bis 333 Euro
- Kapazität
- 732 Plätze im Festspielhaus
- Festival seit
- 1998, Wintersaison seit 2012
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Vom Passionsdorf zur Opernadresse
Erl ist seit 1613 ein Theaterdorf: Die Passionsspiele gelten als die ältesten im deutschsprachigen Raum und stehen seit 2013 auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Alle sechs Jahre stehen dafür rund 600 Laien aus dem Ort auf der Bühne. 1997 gründeten der Dirigent Gustav Kuhn und Andreas Schett, der Kopf der Musicbanda Franui, die Tiroler Festspiele, eröffnet wurden sie im Juli 1998 mit Wagners Rheingold im Passionsspielhaus; die Eröffnungsrede hielt Gerard Mortier. Weil das Passionsspielhaus in den Passionsjahren belegt war, mussten die Festspiele 2002 nach Kufstein und 2008 nach Innsbruck ausweichen; heizen lässt es sich bis heute nicht. Daraus entstand die Idee eines eigenen Hauses. Das Festspielhaus wurde am 26. Dezember 2012 mit Bartóks Herzog Blaubarts Burg eröffnet, und seither gibt es eine Wintersaison, traditionell vom 26. Dezember bis 6. Jänner. 2018 stand Kuhn nach Vorwürfen zu den Arbeitsbedingungen der Musiker zum letzten Mal am Pult. Seit September 2024 ist der Tenor Jonas Kaufmann Intendant, Asher Fisch leitet das Orchester. Präsident ist seit 2005 Hans Peter Haselsteiner. Inzwischen spielen die Festspiele im Herbst, Winter, zu Ostern und im Sommer; allein der Sommer 2026 zog 13.500 Besucher an.
Fun Facts
- Wusstest du?Bei seiner Eröffnung 2012 war der Orchestergraben des Festspielhauses der größte seiner Art auf der ganzen Welt. Der Bühnenraum misst rund 450 Quadratmeter.
- Wusstest du?Die kantige Form des Festspielhauses ist von der Erler Dornenkrone inspiriert, dem Wappenemblem des Dorfes. Für die komplexe schwarze Fassade reichten zwei Plattenformate, gespiegelt aneinandergesetzt.
- Wusstest du?Das weiße Passionsspielhaus nebenan fasst bis zu 1500 Besucher, lässt sich aber nicht heizen. Darum findet die gesamte Wintersaison im Festspielhaus statt.
- Wusstest du?Für die Passionsspiele lassen sich die männlichen Darsteller Haare und Bärte wachsen und proben rund 120 Mal. 2013, im Jubiläumsjahr, kamen mehr als 60.000 Zuschauer.
- Wusstest du?Beim Neujahrskonzert 2026 sprang Kapellmeister Beomseok Yi für den erkrankten Asher Fisch ein. Am 1. Jänner 2027 steht er nun regulär am Pult, mit dem Paganinipreisträger Giuseppe Gibboni als Solisten.
- Wusstest du?Die Wände im Saal bestehen aus freistehenden Elementen aus kanadischem Akazienholz, die mitschwingen. Die Festspiele beschreiben den Saal deshalb selbst als Instrument.
Lineup
Der Winterspielplan 2026/27 ist vollständig veröffentlicht und im Verkauf; Ostern 2027 (25. bis 28. März) und der Sommer (2. bis 25. Juli) stehen ebenfalls schon fest.
Highlights
Weiteres Programm
Fünf Wochen Verdi, Belcanto und Festkonzerte
Der Winter 2026/27 reicht weit über die klassischen Tage zwischen den Feiertagen hinaus: Er beginnt am 6. Dezember mit Bachs Weihnachtsoratorium unter dem jungen Wiener Dirigenten Julius Zeman und endet am 6. Jänner mit dem Dreikönigskonzert. Die Klammer bildet Verdi. Am 13. Dezember erklingt Nabucco konzertant, mit Anastasia Bartoli als Abigaille und Gabriele Viviani in der Titelrolle, Asher Fisch dirigiert. Die szenische La traviata in der Regie von Mariame Clément läuft viermal, am 27. und 30. Dezember sowie am 3. und 5. Jänner; Clément blickt dabei weniger auf die Liebesgeschichte allein als auf die Gesellschaft, die Violetta keinen Platz lässt. Am 2. Jänner setzen die Festspiele ihren Belcantozyklus nach I puritani und La sonnambula mit Donizettis Anna Bolena fort, mit Marigona Qerkezi in der Titelpartie und Aigul Akhmetshina als Jane Seymour unter Riccardo Frizza. Frizza begleitet auch Maria Agresta beim Silvesterkonzert. Am Neujahrstag dirigiert Beomseok Yi, am 4. Jänner spielen Franui mit dem Pianisten Herbert Schuch ihr neues Programm „Original und Fälschung“ über Schubert und das Weiterspielen mit Klassik. Zum Abschluss am 6. Jänner widmet sich das Festspielorchester Tschaikowskis Pathétique, davor spielt Alessandro Taverna Beethovens fünftes Klavierkonzert. Für Familien gibt es das szenische Konzert „Ein Bauer namens Verdi“ und zwei Polsterkonzerte für die Kleinsten.
- 16. Dezember, 11 Uhr: Bachs Weihnachtsoratorium unter Julius Zeman eröffnet die Wintersaison.
- 213. Dezember: Verdis Nabucco konzertant mit Anastasia Bartoli als Abigaille, Dirigent Asher Fisch.
- 320. Dezember: Familienkonzert „Ein Bauer namens Verdi“, rund eine Stunde ohne Pause, Kinder bis 10 Jahre gratis.
- 427. Dezember: Premiere der neuen La traviata von Mariame Clément mit Julia Muzychenko und Dumitru Mîțu, weitere Vorstellungen am 30. Dezember, 3. und 5. Jänner.
- 531. Dezember, 18 Uhr: Silvesterkonzert mit Maria Agresta und Riccardo Frizza.
- 61. Jänner, 11 Uhr: Neujahrskonzert mit Beomseok Yi und dem Geiger Giuseppe Gibboni.
- 72. Jänner: Donizettis Anna Bolena konzertant mit Marigona Qerkezi und Aigul Akhmetshina.
- 86. Jänner, 11 Uhr: Dreikönigskonzert mit Beethovens fünftem Klavierkonzert und Tschaikowskis Pathétique.
Praktische Informationen
Tickets
Karten gibt es im Webshop der Festspiele und im Kartenbüro (Montag bis Freitag 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, +43 5373 81000 20, karten@tiroler-festspiele.at). La traviata kostet 70 bis 170 Euro, Nabucco und Anna Bolena 50 bis 130 Euro, die Festkonzerte 40 bis 100 Euro, der Abend mit Franui 50 Euro. Die Abendkasse öffnet 90 Minuten vor Beginn.
Abos
Das Jahreswechselabo bündelt La traviata am 30. Dezember, das Silvesterkonzert und das Neujahrskonzert um 333, 234 oder 135 Euro. Das Premierenabo mit La traviata, Parsifal zu Ostern sowie Tristan und Isolde und Der ferne Klang im Sommer kostet 270 bis 666 Euro.
Anreise mit Bahn und Shuttle
Alle Fernzüge halten in Kufstein, der Meridian aus München und Salzburg auch im bayerischen Oberaudorf. Von dort fährt ein kostenloser Shuttle eine und zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn nach Erl und nach der Vorstellung zurück; Anmeldung bis 24 Stunden vorher. Aus dem Kufsteinerland gibt es Gratisshuttles über den Tourismusverband, nicht für alle Termine.
Auto und Parken
Aus Norden über A8 und A93 bis Brannenburg/Nußdorf oder Oberaudorf, aus Süden über die A12 bis Oberaudorf. Das Parkhaus am Mühlgraben 65 hat rund 450 Gratisplätze auf drei Etagen; zu Fuß sind es zehn bis 15 Minuten zum Festspielhaus, an manchen Tagen fährt ein Shuttle.
Gut zu wissen
Es gibt keinen Späteinlass, plan bei Schnee also genug Zeit ein. Laut Onlinespielplan (Stand 26. Oktober 2026) ist das Weihnachtsoratorium bereits ausverkauft, für das Silvesterkonzert waren nur noch sehr wenige Plätze frei.
Kleidung
Einen strengen Dresscode gibt es nicht, die Festspiele bitten aber um Garderobe passend zum festlichen Rahmen und ausdrücklich nicht um kurze Hosen, Sportschuhe oder Trainingskleidung.
Mit Kindern
„Ein Bauer namens Verdi“ am 20. Dezember kostet 35 Euro, für Jugendliche 17,50 Euro, Kinder bis 10 Jahre sind frei. Das Polsterkonzert „Kommissarin Flunke und die Schurken“ am 4. Jänner um 14 und 16 Uhr im Kleinen Saal kostet 10 Euro.
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Häufige Fragen
Wann findet die Wintersaison 2026/27 statt?
Vom 6. Dezember 2026 bis 6. Jänner 2027. Die dichteste Phase liegt zwischen der Premiere von La traviata am 27. Dezember und dem Dreikönigskonzert.
Was kosten die Karten?
Je nach Kategorie 70 bis 170 Euro für La traviata, 50 bis 130 Euro für die konzertanten Opern und 40 bis 100 Euro für die Festkonzerte. Das Polsterkonzert für Kinder kostet 10 Euro.
Wie komme ich ohne Auto nach Erl?
Mit dem Zug nach Kufstein oder mit dem Meridian nach Oberaudorf. Ab Oberaudorf fährt ein kostenloser Shuttle zum Festspielhaus und zurück, du musst dich aber spätestens 24 Stunden vorher anmelden.
Gibt es einen Dresscode?
Keinen strengen. Die Festspiele wünschen sich festliche Kleidung und bitten, auf kurze Hosen, Sportschuhe und Trainingskleidung zu verzichten.
Kann ich zu spät kommen?
Nein, einen Späteinlass gibt es nicht. Plan für den Weg vom Parkhaus zum Festspielhaus zehn bis 15 Minuten ein, im Winter lieber mehr.
Ist die Traviata szenisch oder konzertant?
Szenisch. Nach den konzertanten Aufführungen im Sommer 2025 bringen die Festspiele das Stück nun auch szenisch heraus, Regie führt Mariame Clément. Nabucco und Anna Bolena sind dagegen konzertant.
Was gibt es für Kinder?
Das Familienkonzert „Ein Bauer namens Verdi“ am 20. Dezember erzählt Verdis Jugend in etwa einer Stunde, Kinder bis 10 Jahre sind frei. Für die Kleinsten gibt es am 4. Jänner zwei Polsterkonzerte im Kleinen Saal.
Wo übernachte ich?
Eine praktische Basis ist das Kufsteinerland, aus dessen Orten an ausgewählten Tagen kostenlose Shuttles nach Erl fahren; Auskunft gibt der Tourismusverband unter +43 5372 62207. Direkt bei den Festspielhäusern gibt es außerdem das Premierenhaus mit sieben Suiten.
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