
Foto: Jordi Trenzano Vilar / Interpenetration (Radio Report From The Dissidence)
Interpenetration 2026/27: Zwölf Abende Risiko in Graz
Noise, freie Improvisation und Klangkunst, alle zwei Wochen donnerstags im Club Wakuum und im ARTist's
An einem Donnerstagabend im Grazer Griesviertel kann es passieren, dass eine präparierte Drehleier gegen ein Schlagzeug anbrummt oder ein Musiker mit Walkmans und gefundenen Kassetten eine Geschichte aus Geräuschen baut. Interpenetration ist seit 2005 die Grazer Adresse für Musik, die sich an kein Format hält: Noise, freie Improvisation, elektronische Klangkunst und alles dazwischen. Die Saison 2026/27 beginnt am 5. November im Club Wakuum mit Radio Report From The Dissidence, einem peruanischen Klangkünstler, der Feldaufnahmen aus aller Welt mit andinen und amazonischen Instrumenten verwebt. Bis 20. Mai folgen zwölf Doppelabende im Zweiwochentakt, abwechselnd im Club Wakuum und im ARTist's, jeweils um 20 Uhr. Das Motto der Reihe steht groß auf ihrer Website: RISK = FUN.
Auf einen Blick
- Datum
- 5. November 2026 bis 20. Mai 2027, zwölf Donnerstage, jeweils 20 Uhr
- Ort
- Club Wakuum und ARTist's, Graz
- Genre
- Experimentelle Musik, Noise, freie Improvisation, elektronische Klangkunst
- Eintritt
- Eintrittspreise nennt der Veranstalter vorab nicht
- Festival seit
- 2005
Von der Postgarage zur Reihe im Zweiwochentakt
Am Anfang stand ein Festival. Ab 2005 lud der Grazer Verein chmafu nocords jedes Jahr gegen Jahresende für einige Tage in die Postgarage, bei freiem Eintritt; 2009 fand Interpenetration laut Falter bereits zum fünften Mal statt. Kopf dahinter war Martin Karner, der als Musiker Marufura Fufunjiru heißt. Seine Begründung, 2013 im Falter: Früher habe es in Graz zu wenig experimentelle Musik gegeben. 2013 übersiedelte das Festival ins Forum Stadtpark, 2014 feierte es sein zehnjähriges Bestehen, und weil die Förderungen gekürzt worden waren, rückte es enger mit dem Forum Stadtpark und dem Veranstalterteam Werk02 zusammen. Parallel wuchs eine zweite Wurzel: Elke Murlasits und Harald Wiltsche gründeten die Konzertreihe Sonntags Abstrakt, die 2011 zu Mittwochs Exakt wurde und 2012 mit dem Interpenetration Festival verschmolz. Seither ist Interpenetration beides, Festival und durchlaufende Konzertreihe, kuratiert von chmafu nocords. Gefördert wird sie heute von Bund, Stadt Graz, Land Steiermark und dem SKE Fonds. Für die Szene ist die Reihe zugleich eine Anlaufstelle: Ein eigener Newsletter richtet sich an Musikerinnen und Musiker und verschickt Konzertaufrufe und Einladungen.
Fun Facts
- Wusstest du?Den Namen hat sich die Reihe bei John Cage geborgt. Interpenetration bedeutet laut Falter gegenseitige Durchdringung ohne gegenseitige Beeinflussung; 2008 würdigte das Festival den Komponisten mit Neubearbeitungen seiner Musik.
- Wusstest du?Experimentelle Musik und Politik lagen hier immer nah beieinander: 2008 sprach in der Postgarage Christian Felber von Attac über neue Werte für die Wirtschaft, Horst Stowasser referierte über Anarchie als Utopie.
- Wusstest du?Beim Festival 2013 im Forum Stadtpark spielte Elliott Sharp aus New York mit dem Jazzkollektiv Studio Dan, und die Sängerin Irina Karamarkovic kochte für alle. Karner wollte ausdrücklich ein gemütliches Festival, weil die Musik ohnehin anspruchsvoll sei.
- Wusstest du?2014 gab es gleich zwei Jubiläen zu feiern: zehn Jahre Interpenetration und den 80. Geburtstag des Elektronikpioniers Hans-Joachim Roedelius.
- Wusstest du?Der Club Wakuum ist kein reiner Experimentalort: Der Kulturverein wakmusic bespielt ihn an rund 200 Tagen im Jahr, mit Konzerten, Open Mic, Pubquiz und Jamsessions.
- Wusstest du?Der Mann, der das Saisonfinale am 20. Mai bestreitet, war zuerst Schriftsteller: Rinus van Alebeek erhielt für seinen ersten Roman den niederländischen Geertjan Lubberhuizenprijs, bevor er zu Walkmans und gefundenen Kassetten wechselte.
Programm
Alle zwölf Abende der Saison stehen mit je zwei Acts fest; Besetzungen und Hintergründe zu jedem Termin findest du auf interpenetration.net.
Highlights
Weiteres Programm
Zwölf Donnerstage, vierundzwanzig Handschriften
Die Saison 2026/27 umfasst zwölf Abende mit je zwei Programmpunkten, insgesamt 24 Acts vom Solo bis zum Trio. Die Doppelabende sind so gebaut, dass zwei sehr verschiedene Ansätze aufeinandertreffen, ganz im Sinn des Namens. Am 21. Jänner etwa stellt das Duo HEDDA mit Violine, Viola, Gitarren und Lauten ein neues Programm mit Werken von B. Gander, N. Hemyari, K. Lang, M. Osojnik, P. Jakober und J. Purgina vor; danach spielen Olaf Rupp und Rudi Fischerlehner als XENOFOX eigentlich nur Gitarre und Schlagzeug, die aber nach einer ganzen Welt klingen sollen. Am 3. Dezember treffen Veronika Mayer mit Elektronik und Gobi Drab mit Blockflöten und Stimme auf den slowenischen Schlagzeuger Vid Drašler und Samo Kutin an der präparierten Drehleier. Die Abende wechseln zwischen dem Club Wakuum in der Griesgasse und dem ARTist's in der Schützgasse. Vorwissen braucht es keines, nur die Bereitschaft, Geräusche als Musik zu hören.
- 15. November, Club Wakuum: Radio Report From The Dissidence mischt Feldaufnahmen mit andinen und amazonischen Instrumenten, Les Fleurs improvisieren mit Stimme, Flöte, Objekten und Klavier.
- 219. November, ARTist's: OWG Trio sowie das Duo Harald Hofmeister und Georg Wissa.
- 33. Dezember, Club Wakuum: mayer + drab zwischen freier Improvisation und Neuer Musik, dazu Vid Drašler und Samo Kutin mit Schlagzeug und präparierter Drehleier.
- 421. Jänner, ARTist's: HEDDA mit neuem Kammermusikprogramm, danach das Duo XENOFOX mit Gitarre und Schlagzeug.
- 54. und 18. Februar: Francesco Bucci mit Zobibor und Tintin Patrone im Wakuum, Knast und Katya Shirshkova im ARTist's.
- 618. März, ARTist's: Michael Thieke und Beat Keller sowie BEYER / FLINN.
- 7Im Frühjahr außerdem Sébastien Beliah solo und brrrds+y (4. März), FM RAW und CROMBF (1. April), Kebede/Bassano/Nourani und Teresa Riemann (15. April), FRANTX und Ether Drift (6. Mai).
- 820. Mai, ARTist's: Saisonfinale mit Rinus van Alebeek an Walkmans und Fundkassetten und einem Perkussionssolo von Burkhard Beins.
Praktische Informationen
Eintritt
Eintrittspreise stehen auf interpenetration.net nicht; für Fragen gibt es dort ein Kontaktformular. Die frühen Festivalausgaben in der Postgarage liefen bei freiem Eintritt.
Anreise Club Wakuum
Griesgasse 25, 8020 Graz. Die nächste Straßenbahnhaltestelle ist Südtiroler Platz/Kunsthaus, mehrere Buslinien halten am Griesplatz.
ARTist's
Schützgasse 16, 8020 Graz. Hier finden die Abende am 19. November, 21. Jänner, 18. Februar, 18. März, 15. April und 20. Mai statt, alle anderen im Club Wakuum.
Beginn und Rhythmus
Alle Abende beginnen um 20 Uhr, an jedem stehen zwei Acts auf dem Programm. Nach dem 3. Dezember pausiert die Reihe über die Feiertage bis 21. Jänner.
Für Musikerinnen und Musiker
Wer selbst experimentelle Musik macht, kann sich auf interpenetration.net für den Newsletter mit Konzertaufrufen eintragen und über das Bookingformular bewerben.
Reinhören
Auf dem Kanal der Reihe bei YouTube (youtube.com/user/marufura) findest du Videos, auf den Eventseiten Besetzungen und Beschreibungen zu jedem Abend.
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Häufige Fragen
Wann und wo finden die Konzerte statt?
Von 5. November 2026 bis 20. Mai 2027 an zwölf Donnerstagen, jeweils um 20 Uhr. Die Abende wechseln zwischen dem Club Wakuum in der Griesgasse 25 und dem ARTist's in der Schützgasse 16, beide in 8020 Graz.
Was kostet der Eintritt?
Die Website nennt keine Eintrittspreise. Frag am besten über das Kontaktformular auf interpenetration.net nach. Die frühen Festivalausgaben waren bei freiem Eintritt.
Ist Interpenetration ein Festival oder eine Konzertreihe?
Beides. Es begann 2005 als mehrtägiges Festival und verschmolz 2012 mit der Konzertreihe Mittwochs Exakt, die zuvor Sonntags Abstrakt hieß. Die aktuelle Saison besteht aus zwölf Doppelabenden im Zweiwochentakt.
Muss ich mich mit experimenteller Musik auskennen?
Nein. Veranstalter Martin Karner sagte 2013 im Falter, ihm sei ein gemütlicher Rahmen wichtig, weil die Musik ohnehin anspruchsvoll sei. Neugier reicht völlig.
Woher kommt der Name?
Von John Cage. Interpenetration steht für gegenseitige Durchdringung ohne gegenseitige Beeinflussung, und genau so treffen an jedem Abend zwei sehr verschiedene Acts aufeinander.
Wie komme ich zum Club Wakuum?
Mit der Straßenbahn bis Südtiroler Platz/Kunsthaus oder mit dem Bus bis Griesplatz. Von beiden Haltestellen ist die Griesgasse 25 zu Fuß erreichbar.
Ich mache selbst experimentelle Musik. Kann ich dort spielen?
Auf interpenetration.net gibt es ein Bookingformular und einen Newsletter für Musikerinnen und Musiker mit Konzertaufrufen und Einladungen.
Wo erfahre ich mehr über die einzelnen Acts?
Jeder Abend hat eine eigene Eventseite auf interpenetration.net mit Besetzung, Instrumenten und Kurzbiografien, oft mit Pressefoto.
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