Bild: Photo BaurechtGmünd in Kärnten, Kärnten
Mit einem der besten Artist-in-Residence AiR-Programme in Österreich lädt die Kulturinitiative jedes Jahr int. GastkünstlerInnen zu einem zweimonatigen Arbeitsaufenthalt in das Maltator ein. Seit 1993 haben über 80 KünstlerInnen aus aller Welt die Möglichkeit genutzt, hier, inmitten der historischen Altstadt, in der einzigartigen Atmosphäre des mittelalterlichen Torhauses, zwei Monate zu verbringen, hier zu arbeiten und auszustellen. Der Aufenthalt in der Künstlerstadt Gmünd bietet den GastkünstlerInnen die einmalige Gelegenheit, österreichische Kunst und Kultur fernab urbaner Zentren kennen zu lernen und dennoch in einer kulturell hoch interessierten und aktiven Umgebung zu leben, Kontakt zu den einheimischen und in der Künstlerstadt ausstellenden Kunstschaffenden aufzunehmen und sich in das vielfältige Kulturleben einzubringen. Programm 2026:Lukas Köllner - MalereiDie Ausstellung von Lukas Köllner ist von 1. Mai bis 30. Juni 2026 zu sehen.Lukas Köllner (geb. 1991 in Düsseldorf) lebt und arbeitet in Mönchengladbach und Düsseldorf. Nach ersten Erfahrungen als autodidaktischer Maler und Graffiti-Künstler studierte er Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er 2019 Meisterschüler von Prof. Siegfried Anzinger wurde. Seine Werke verbinden klassische Maltechniken mit urbaner Ästhetik, Popkultur und kunsthistorischen Referenzen. Seine Bildwelten sind bevölkert von grotesken und humorvoll gestalteten Figuren und surrealen Traumlandschaften – ein eigenständiger Ausdruck, der zwischen magischem Realismus und zeitgenössischer Narration changiert. Seit 2023 zeigt Köllner seine Arbeiten in ersten Einzelausstellungen.Über seine ArbeitLukas Köllners künstlerische Praxis ist ein Mittel der Katharsis. In großformatigen Ölgemälden, Zeichnungen und Texten verarbeitet er Themen wie Verletzlichkeit, Scham und menschliche Verbindung. Alltagsbeobachtungen übersetzt er in fabelartige Bildwelten, bevölkert von comichaften Kreaturen, Pflanzen und Tieren mit anthropomorphen Zügen. Seine Arbeiten entwickeln eine eigene Mythologie, in der Mensch, Tier und Objekt gleichwertig miteinander agieren – in einer poetischen Welt, die zwischen Comic-Ästhetik und mittelalterlicher Bildtradition oszilliert. Statt realistischer Abbildung entsteht seine Bildsprache rein aus der Vorstellungskraft – als bewusster Gegenentwurf zur visuellen Perfektion. Malerei, Poesie und Zeichnung treten dabei in einen vielschichtigen Dialog und eröffnen emotionale Erfahrungsräume zwischen persönlichem Empfinden und kollektiver Resonanz.Motivation und Projektbeschreibung für den AiR-Aufenthalt in Gmünd„Mich interessieren Alltagsbeobachtungen, die ich auf Spaziergängen oder im Kontakt mit Menschen mache. Diese verarbeite ich in Form von poetischen Kurzgeschichten, Zeichnungen und vor allem Malereien. In meiner Arbeit geht es um menschliche Verbindung und Verletzlichkeit – und um banale Alltagsmomente, in denen diese beiden Aspekte sichtbar werden. Texte, Zeichnungen und Bilder beziehen sich immer wieder aufeinander und spinnen eine fortwährende kleine Mythologie. Während meines Aufenthaltes würde ich mit diesen Methoden entweder eine Ausstellung erarbeiten, die sich mit meinen Erfahrungen mit den Menschen und dem Ort Gmünd auseinandersetzt – oder die Öffnungszeiten dafür nutzen, um mit den Besucherinnen und Besuchern in einen Dialog über Erfahrungen von Verletzlichkeit zu treten und diese künstlerisch weiterzuverarbeiten.“ (Auszug aus Lukas Köllners Motivationsschreiben)Sissa Micheli - Fotografie, Video, InstallationenDie Ausstellung von Sissa Micheli ist von 1. Juli bis 31. August 2026 zu sehen.Sissa Micheli (*1975 in Bruneck, Südtirol) ist eine in Wien lebende Künstlerin, deren Arbeiten international ausgestellt und mehrfach ausgezeichnet wurden. Nach einem Studium der Anglistik und Romanistik an der Universität Wien absolvierte sie zunächst die Schule für künstlerische Photographie und anschließend das Diplomstudium an der Akademie der bildenden Künste Wien. Micheli erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, darunter 2008 den Preis der Akademie in Wien und den Premio Pagine Bianche d’Autore in Mailand, 2009 und 2013 das Atelierstipendium des BKA für Paris und London sowie 2015 das Staatsstipendium für künstlerische Fotografie. 2016 wurde sie als „Künstlerin des Jahres“ vom Südtiroler Künstlerbund und dem HGV ausgezeichnet. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen nationalen und internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt und sind in öffentlichen sowie privaten Sammlungen vertreten.Über ihre ArbeitIm Zentrum von Sissa Michelis Fotografien, Videos und Installationen steht die Vergänglichkeit der menschlichen Existenz und der Blick auf ephemere Phänomene. Mit fliegenden Textilien, die meist Gesicht und Körper verhüllen, erschafft sie faszinierende temporäre Skulpturen, die in einem sinnlichen Spiel das Flüchtige und Vergängliche vergegenwärtigen. Ihre Fotoserie von Objektassemblagen – bestehend aus Alltagsgegenständen und musealen Objekten – bietet humorvolle Einblicke in einen surrealen Mikrokosmos, der einzig für den fotografischen Augenblick existiert. Eindrucksvoll und hochästhetisch lotet sie die Strukturen und Zwischenräume der Fotografie aus – stets im Spannungsfeld zwischen Realität und Fiktion.Ihre jüngsten Arbeiten sind geprägt von Landschaftsontologie und einem kritischen Blick auf das heutige Wissenschaftsverständnis. Dabei beschäftigt sie sich mit Themen, die in direktem Zusammenhang mit den Herausforderungen unserer Zeit stehen. Micheli übersetzt ihre Beobachtungen der Realität in metaphorische Formen, um die Grenzen unseres funktionierenden Systems aufzuzeigen und eine kritische Analyse unserer Gesellschaft anzustoßen. Motivation und Projektbeschreibung für den AiR-Aufenthalt in Gmünd„Geplant ist eine fotografische Werkserie mit Menschen aus Gmünd, die als Modelle Teil der künstlerischen Arbeit werden. Die Porträts sollen sich in Form und Ausdruck an religiösen Ikonen und historischen Figuren orientieren – beispielsweise inspiriert von der sagenumwobenen Gestalt der Eva Faschaunerin, einer in Gmünd überlieferten Figur, die als Giftmischerin bekannt wurde. Solche Erzählungen bieten aus heutiger Perspektive spannende Anknüpfungspunkte, um Themen wie Projektion, Schuld, Weiblichkeit und kollektive Erinnerung künstlerisch zu verhandeln. Der Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Mythos und Realität, steht dabei im Zentrum meiner Arbeit.“ (Auszug aus Sissa Michelis Motivationsschreiben)Projektbeschreibung für das gemeinsame Projekt von Sissa Micheli & Thomas Riess Ziel des Aufenthalts ist die Umsetzung eines gemeinsamen, ortsspezifischen Videoprojekts, das sich bewusst mit der nicht urbanen Gegebenheit Gmünds auseinandersetzt. Im Mittelpunkt stehen die besondere natürliche Umgebung sowie die Elemente Feuer, Wasser und Rauch, die in einem poetisch-visuellen Zugang inszeniert und inhaltlich mit der Geschichte des Ortes verwoben werden sollen. Die Landschaft rund um Gmünd bietet hierfür einen idealen Ausgangspunkt – sowohl atmosphärisch als auch inhaltlich. Durch die Verbindung von Natur, Symbolik und regionaler Historie soll ein vielschichtiges Werk entstehen, das nicht nur visuell eindrucksvoll, sondern auch inhaltlich tiefgehend ist. Ein sensibler Umgang mit dem Ort, seiner Geschichte und seinen Bewohner:innen bildet dabei ein zentrales Anliegen des Projekts.Thomas Riess - Malerei, Mixed-Media, VideoDie Ausstellung von Thomas Riess ist von 1. Juli bis 31. August 2026 zu sehen.Thomas Riess (*1970 in Tirol, Österreich) ist ein österreichischer Künstler, der vor allem in den Bereichen Malerei, Mixed-Media und Video arbeitet. Von 1995 bis 2001 studierte er an der Universität Mozarteum Salzburg in der Klasse für Grafik und visuelle Medien und schloss sein Studium mit Diplom ab. Heute lebt und arbeitet er in Wien. Seine Werke wurden im Rahmen zahlreicher Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland präsentiert – unter anderem in Österreich, Deutschland, Italien, der Schweiz, den USA und den Niederlanden – und sind in namhaften Sammlungen vertreten. Thomas Riess erhielt mehrfach Stipendien und war Finalist bei verschiedenen Kunstpreisen.Über seine ArbeitAn der Schnittstelle von Malerei, Mixed-Media und Video beschäftigt sich Thomas Riess mit dem Menschen und seiner Wahrnehmung von Zeit und Realität in einer medial geprägten Welt. Seine atmosphärisch dichten Arbeiten stellen Fragen von existenzieller Bedeutung und verarbeiten visuelle Eindrücke des Alltags. In großformatigen Gemälden stehen meist gesichtslose Figuren und leere Räume im Fokus – dramatisch inszeniert, von Licht und Schatten durchzogen. Partielle Abstraktionen durchbrechen die fotorealistische Darstellung und schaffen Spannung. Gerade im Zeitalter sozialer Medien, in dem Selbstinszenierung zunehmend an Tiefe verliert, thematisieren die verfremdeten Gesichter die Frage nach Authentizität. In seinen Landschaften entlarvt Riess die realistische Malerei als Illusion und stellt Wahrnehmung und Interpretation zur Diskussion. Seine Mixed-Media-Arbeiten setzen gefundenes Bildmaterial in neue Kontexte und verhandeln die Grenzen zwischen Realität und Täuschung, Erinnerung und Ereignis. In seinen Videoarbeiten arbeitet er häufig mit der Künstlerin Sissa Micheli zusammen.Motivation und Projektbeschreibung für den AiR-Aufenthalt in Gmünd„Für meine eigene Arbeit möchte ich die örtlichen Rahmenbedingungen nutzen, neue Impulse zu gewinnen, indem ich mich intensiv mit der Umgebung und den lokalen Geschichten auseinandersetze. Im Zentrum stehen meine malerischen Werke sowie meine Mixed-Media-Arbeiten, die ich gerne weiterentwickeln möchte. Dabei möchte ich sowohl die landschaftlichen Gegebenheiten als auch nach Möglichkeit die Bewohner:innen Gmünds in meine Arbeit einfließen lassen – durch ortsspezifische Recherchen und die direkte Einbindung der Menschen vor Ort. Da mir die Stadt bereits bekannt ist, weiß ich, dass mir Gmünd und Umgebung dafür einen fruchtbaren Kontext bieten kann, sowohl durch seine landschaftliche Schönheit als auch durch die reiche geschichtliche Tiefe des Ortes. Die natürliche Kulisse rund um Gmünd bietet ideale Voraussetzungen, um mit den Elementen Wasser, Feuer und Rauch sowohl visuell als auch inhaltlich zu arbeiten - malerisch, grafisch aber auch im gemeinsamen Video. Diese symbolischen Kräfte sollen nicht nur ästhetisch ins Bild gesetzt werden, sondern auch mit lokalen Themen und historischen Bezügen verknüpft werden. Ein besonderer Fokus liegt darauf, die Wechselwirkung zwischen Mensch, Natur und Geschichte erfahrbar zu machen – mit einer sensiblen, künstlerischen Annäherung.“ (Auszug aus Thomas Riess‘ Motivationsschreiben)Kata Koleszár - MalereiDie Ausstellung von Kata Koleszár ist von 1. September - 31. Oktober 2026 zu sehen.Kata Koleszár (*1988 in Orosháza, Ungarn) ist eine ungarische bildende Künstlerin mit Sitz in Budapest. Ihr Hauptmedium ist die Malerei, ergänzt durch detailreiche Zeichnungen und seit Kurzem auch Wandteppiche. In symbolisch aufgeladenen Innenräumen mit Motiven wie Zimmerpflanzen, Porzellanfiguren und Tiermustern behandelt sie Themen wie Einsamkeit, Schutz und innere Zuflucht. Koleszár schloss 2014 ihr Studium an der Ungarischen Universität der Bildenden Künste ab und studierte im Rahmen eines Erasmus-Stipendiums an der Nationalen Kunstakademie in Sofia. 2023 absolvierte sie das Budapest Art Mentor Programm als eine von nur zwei ausgewählten Stipendiatinnen dieses Jahrgangs. Ihre Arbeiten wurden bereits in zahlreichen Gruppenausstellungen in Ungarn und international gezeigt, ebenso auf renommierten Kunstmessen. Auch Einzelausstellungen konnte sie erfolgreich realisieren. Koleszár nahm 2023 und 2024 an der Künstlerresidenz von Nagyházy Contemporary teil und ist Finalistin des HAB Awards (Hungarian Art & Business) 2025.Über ihre ArbeitIhre Arbeit thematisiert Zuflucht und Einsamkeit durch die symbolische Darstellung imaginierter Innenräume, in denen Zimmerpflanzen als Metaphern für eine idealisierte innere Welt dienen. Umgeben von Mustern, Teppichen und Ornamenten verweisen diese Räume auf eine schwebende Realität zwischen Erinnerung und Sehnsucht. Die Pflanzen stehen für ein Bedürfnis nach Verbundenheit und Rückzug in einer fragmentierten Welt. Porzellanfiguren – fragile, distanzierte Kindheitserinnerungen – und symbolträchtige Tiere wie Tiger oder Vögel erweitern ihre persönliche Bildsprache um kunsthistorische und kulturelle Bezüge. Ihre Gemälde zeigen keine Menschen, sondern Spuren von ihnen. Sie erzeugen eine Atmosphäre der Stille, in der sich Zeit verlangsamt und ein Raum für Reflexion, Schutz und innere Einkehr entsteht – ein moderner innerer Garten als Ort des Innehaltens und der Heilung.Motivation und Projektbeschreibung für den AiR-Aufenthalt in Gmünd„In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit Themen wie Zuflucht, Isolation, Einsamkeit und der Suche nach idealisierten Orten – sei es physisch oder mental. Zwei Monate in Gmünd ermöglichen es mir, diese Konzepte in gelebte Erfahrung zu überführen und sie direkt und authentisch in meine nächste Werkserie einfließen zu lassen. Im Atelier plane ich, eine fokussierte Serie von fünf bis sechs Ölgemälden (jeweils 110 × 100 cm) sowie eine Reihe kleinerer Arbeiten auf Papier zu entwickeln. Diese Arbeiten setzen meine Auseinandersetzung mit zeitgenössischen psychologischen Zuständen wie Isolation, Fragilität und dem Wunsch nach Zuflucht fort – gefiltert durch die symbolische Sprache von Gärten und häuslichen Idyllen. Während des Aufenthalts möchte ich jedoch auch die konzeptuelle Grundlage meiner Arbeit erweitern, indem ich mich intensiver mit der österreichischen Kunstgeschichte und ihren reichen Bildtraditionen auseinandersetze. Besonders interessiert mich die Recherche zu regional spezifischen Bildmotiven – insbesondere zu wiederkehrenden Tier- und Pflanzenmotiven in sakraler Kunst, Volksornamentik und historischer Malerei. Diese Elemente sollen nicht illustrativ, sondern in meine eigene Bildsprache überführt und neu kontextualisiert werden, sodass die entstehende Serie sowohl persönlich als auch kulturell verankert ist. Diese kunsthistorische Recherche bildet ein zentrales Element meines Arbeitsprozesses und schafft eine tiefere Verbindung zum Ort sowie zur kunsthistorischen Kontinuität. Format und Größe der Werke sind auf die emotionale Intensität abgestimmt, die ich anstrebe. Die Kompositionen selbst sollen jedoch in Reaktion auf die Atmosphäre Gmünds und die vor Ort entdeckten Bildwelten entstehen.“ (Auszug aus Kata Koleszárs Motivationsschreiben)Weitere Informationen HIERFreier Eintritt! Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Kommende Veranstaltungen im Umkreis von 10 km.